Gutting it out – Ultramarathon Vokabular

Ich höre regelmäßig englischsprachige Podcast-Sendungen rund um das Thema (Ultra-)Laufen (z.B.  The Ginger Runner, UltraRunnerPodcastTalk Ultra, RunRunLive). Dabei fällt mir immer wieder auf: Die Leute reden komisch. Komisch nicht nur im Sinne von lustig, sondern auch im Bezug auf das ganz eigene, szene-spezifische, für außenstehende schwer zu verstehende Vokabular. Die Begriffe und Redewendungen sagen jedenfalls sehr viel über das (Ultra-)Laufen aus und es lohnt sich mal einen losen Überblick zu geben.

Wenn ein Läufer bonked, also ein bonk erlebt, dann ist das ein anderes Wort für Leistungseinbruch. Im deutschen redet man oft vom Mann mit dem Hammer, der einen nach gewisser Zeit erwartet und förmlich niederstreckt. Auch gibt es das Bild der Wand oder Mauer gegen die man irgendwann laufen wird. Bonk heißt im Grunde nichts anderes als das. Der Grund dafür ist meistens das Energiedefizit in Folge von nicht genommener nutrition, unter Läufern auch einfach fuel genannt. Vielleicht hat man an den aid stations, den Verpflegungspunkten, zu wenig getrunken und gegessen. Das Wort fueling stammt ja aus der Begriffswelt der Autos, genauso wie blowing a gasket. Gasket ist ein Dichtungsring und wenn dieser platzt ist das für die machine, ein Synonym für den Körper eines Läufers, natürlich alles andere als vorteilhaft. Diese Krisen im Lauf werden auch low patches genannt. Wenn jemand in diesem Zusammenhang ironisch sagt „I got my ass handed to me“ meint er höchstwahrscheinlich so einen Tiefpunkt, der gleichzeitig das Ultralaufen irgendwie auch ausmacht. Das Leiden während eines langen Laufes wird deshalb auch gelegentlich als sweet suffering bezeichnet.

Was einem dann noch bleibt ist der Ultra-Shuffle – ein langsamer, unschön anzusehender und schlurfiger Laufstil. Wenn ein Läufer dann davon spricht seinen Kopf abzusenken, „...and then I just put my head down“, dann bedeutet das er versucht alles andere auszublenden, sich zu fokussieren, einfach durchzuhalten. Dann ist die Sprache von gutting it out. Oder auch grinding it out. Beide Redewendungen meinen das stoische Durchhalten, das man braucht wenn man in der sogenannten pain cave, Höhle des Schmerzes, ist. Digging deep ist ein weiterer Ausdruck dafür.

Wenn es besonders gut läuft dann läuft man im „Beast-Mode“. Wenn es bergab besonders schnell geht redet man nicht mehr vom running downhill sondern vom bombing downhill. Und ist das Ziel dann endlich in Reichweite kann der Läufer den Stall riechen – smelling the barn.

Wird Zeit für den nächsten Ultramarathon.

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