Über mich

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Es ist der 21.Oktober 2014. Auf dem kleinen Tisch meines Doppelzimmers in einer Hamburger Klinik für Psychotherapie steht eine Vase mit einigen bunten Blumen, die wie ein Farbklecks in einem Glas voller schwarzer Tinte die graue Eintönigkeit des Klinikalltags aufsprengen wollen. Es ist mein 30.Geburtstag und meine Familie ist zu Besuch.

Seit 6 Wochen bin ich nach der bisher schwersten depressiven Phase in dieser Klinik. Mein Zellen- bzw. Zimmernachbar leidet unter Angststörungen und hat aus Angst vor fremden Menschen das Zimmer für den Besuch meiner Familie verlassen. Ich schaue meine Familie an. Unendlich lange Momente des Schweigens füllen die kurzen Sprechpausen. Wie konnte es nur so weit kommen? Wie bin ich bloß hier gelandet? Ich öffne den Briefumschlag, den mir meine Geschwister reichen und ziehe ein gefaltetes weißes Blatt Papier heraus. Ich versuche die Blicke der mich ansehenden Gesichter zu deuten, um zu erraten um was es sich handeln könnte. Ich schaue auf den Zettel und fange an zu lesen: „Teilnahme 30.Hamburg Marathon am 26.April 2015!“. Mein Puls schnellt in die Höhe und eine unbestimmte Mischung aus Angst und Adrenalin entlädt sich in einem breiten Grinsen. „Ihr Schweine!“, sage ich und bringe damit die Runde zum lachen. Es ist das erste Mal seit Wochen, dass ich dieses Kribbeln von Vorfreude und Aufregung im Bauch verspüre. Ich ringe nach Worten, aber innerlich ist alles auf einmal ganz klar: Ich werde laufen. Ich werde trainieren. Und dieser verdammte Marathon wird meine Rettung sein.

Ich glaube fest daran, dass das Thema Depression enttabuisiert werden muss. Ich hoffe meine bescheidenen Erfahrungen tragen ein wenig dazu bei.

Ich bin 31 Jahre alt und wohne in Hamburg.

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